Wohntipps

Wie Selbstbestimmung im Alter gelingen kann

Wenn wir älter werden, fallen manche Dinge schwerer: der Haushalt, die tägliche Pflege und die Organisation des Alltags. Was bleibt, ist der Wunsch nach Nähe, einer Aufgabe und nach einem selbstbestimmten Leben. Andy Luttmer, Inhaber des Halleschen Pflegedienstes, erklärt im Gespräch, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, wann es sinnvoll ist, sich Hilfe zu holen und warum die Senioren-WGs am Tulpenbrunnen so gut funktionieren.

Erst lässt die Kraft nach, dann werden Aufgaben im Alltag schwer. Ist es dann Zeit fürs Pflegeheim? 

Nicht unbedingt. Pflege ist heute sehr vielfältig. Wir beim Halleschen Pflegedienst bieten zum Beispiel die ambulante Pflege, die Tagespflege und unsere beiden Senioren-WGs an. In der ambulanten Pflege kommen Mitarbeitende nach Hause und unterstützen bei Alltagsaufgaben und Pflege. Die Tagespflege sorgt für Struktur, Betreuung und Gemeinschaft im Alltag. Und dann gibt es noch unsere Senioren-WGs.  

Wie muss man sich das Leben dort vorstellen? 

Im Grunde wie eine große Wohngemeinschaft. In unseren WGs gibt es 9 bzw. 8 Zimmer mit eigenem Bad sowie Gemeinschaftsräumen. Die Bewohner können gemeinsam Zeit verbringen oder sich jederzeit zurückziehen. Gleichzeitig hat jeder eine kleine Aufgabe – und das ist im Alter sehr wichtig: das Gefühl, gebraucht zu werden. 

Was unterscheidet die Senioren-WG von einem klassischen Pflegeheim? 

In den Senioren-WGs sind unsere Pflegekräfte gewissermaßen zu Gast. Die Bewohner bestimmen ihren Alltag selbst: Wann sie aufstehen, welche Angebote sie wahrnehmen und wie sie ihren Tag gestalten. Unsere Tagespflege mit Angeboten zur Alltagsgestaltung kann flexibel genutzt werden. Wer Ruhe möchte, zieht sich zurück. Wegen dieser Kombination aus Selbstständigkeit und Sicherheit funktioniert das Konzept so gut.

Viele kennen vor allem den ambulanten Pflegedienst. Wie sieht dieser im Alltag bei Seniorinnen und Senioren aus?

Beim ambulanten Dienst kommen ein- bis zweimal täglich Pflegekräfte nach Hause und helfen etwa bei der Körperpflege oder im Alltag. Für viele ist das der erste Schritt, weil sie in den eigenen vier Wänden bleiben können. Eine weitere Alternative ist die Tagespflege: Hier kommen Seniorinnen und Senioren tagsüber zu uns, finden Struktur, Beschäftigung und pflegerische Unterstützung. Ein großer Gewinn für den Alltag – und zugleich eine wichtige Entlastung für pflegende Angehörige. 

Viele Menschen verdrängen das Thema Pflege lange. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Beratung? 

Sobald erste Kleinigkeiten im Alltag schwerfallen. Wenn man merkt, dass Unterstützung bei einfachen Aufgaben nötig wird, sollte man die eigene Situation reflektieren. Anfangs reicht oft der ambulante Dienst. Stoßen Betroffene und Angehörige an ihre Grenzen, können Wohn- und Pflegeformen sinnvoll sein. Wichtig ist: Pflege bedeutet nicht automatisch Heim. Die Möglichkeiten sind heute vielfältig - und manchmal wird es im Alter vielleicht die erste WG im Leben. 
 

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