Die Knotenknüpfer - Das Quartiermanagement bringt Menschen zusammen
Eine dieser Zuhörenden ist Johanna Ludwig. Die studierte Geographin ist seit 2019 Quartiermanagerin in Halle-Neustadt, anzutreffen im Mehrgenerationenhaus Pusteblume. „Wir sind in erster Linie ein Knotenpunkt. Wir sammeln Fragen, Probleme und Herausforderungen und bringen diese an die passende Stelle“, erklärt sie. Denn Neustadt ist eines ganz gewiss: vielfältig. Unterschiedliche Kulturen, Altersgruppen, Wünsche und Hoffnungen prägen den Stadtteil. „In dieser Vielfalt liegt natürlich viel Potenzial – aber auch viele Herausforderungen.“ Genau diesen nimmt sich das Quartiermanagement an. Das Themenspektrum ist breit. Es reicht von der Begleitung baulicher Maßnahmen über kulturelle Angebote bis hin zu eigenen Veranstaltungen im Quartier.
Zuhören, um einander zu verstehen
Oft kommen Seniorinnen und Senioren mit ihren Anliegen, aber auch viele zugezogene Familien sowie Migrantinnen und Migranten suchen hier Unterstützung. „Natürlich formulieren die Bewohner ihr Problem nicht immer direkt, da wird manchmal erst einmal geschimpft“, sagt sie. „Aber gerade dann ist es wichtig zuzuhören, denn so erkennt man die eigentlichen Sorgen hinter dem Gesagten.“ Am besten gelingt das über Begegnungen. Bei Stadtteilfesten zum Beispiel entstehen Gespräche oft ganz von selbst. „Essen, Musik, Feiern – das verbindet die Menschen. Über solche Anlässe kommt man ins Gespräch. Und dann sieht man, welche Probleme, aber auch wie viel Bewegung, Vielfalt und Kraft in diesem Stadtteil steckt.“
Quartiermanagement Halle-Neustadt
Die Sprachverstärker - neue Quartierplattform Unser Haneu
Das medienpädagogische Projekt, beauftragt und gefördert durch das Modellprojekt Smart City Halle (Saale), möchte den Menschen im Viertel eine Stimme geben. „Auf den ersten Blick ist es nur eine Website, dahinter stehen aber die Gedanken, die durch unser Viertel schwirren“, berichtet Projektkoordinatorin Änne Heidenreich. Den Initiatorinnen und Initiatoren war es wichtig, kein fertiges Konzept vorzusetzen. Die Ideen sollen aus der Bevölkerung selbst kommen. Die im vergangenen Sommer gegründete Fokusgruppe – Menschen aus Halle-Neustadt, mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und aus verschiedenen Altersgruppen – steht für die Vielfalt des Stadtteils und ist Ansprechpartner, wenn jemand eine Idee hat und sich mitteilen möchte. Zusätzlich trifft sich wöchentlich ein Redaktionsteam, um Beiträge für die Website zu verfassen. Wer Lust hat mitzumachen, kann jederzeit dazukommen.
Projekte aus dem Viertel
Ein weiteres Projekt nennt sich „StraßenQR“: Schülerinnen und Schüler besuchen einzelne Straßen, recherchieren deren Geschichte und stellen die Orte vor. „Dabei kommen sie oft mit älteren Menschen des Viertels ins Gespräch“, so Änne. So entsteht nicht nur ein Raum für Geschichten – sondern auch eine Brücke zwischen den Generationen. Aktuell wird zudem an einem digitalen Geschichtsbuch gearbeitet. Und dann ist da noch der Veranstaltungskalender. Befüllen darf ihn jede und jeder, der in Neustadt Veranstaltungen organisiert oder kennt. Der offizielle Start der Website ist für den 8. Mai geplant, mit einer großen Blockparty in der Pusteblume.
Die Neugestalter - Das Gemeinschaftsamt schafft einen Ort für Gemeinsamkeit
Zu DDR-Zeiten war das Gebäude am Gimritzer Damm eher verschrien: Hier befand sich die Stasi-Bezirkszentrale. Nach der Wende diente es als Finanzamt. Seit zehn Jahren steht das Gebäude leer – doch das soll sich bald ändern. Mit Genossenschaftsanteilen soll der Ort gekauft und zu einem Raum für soziales Arbeiten und Wohnen werden. Ob Büroräume für soziale Träger, Proberäume für Bands, Ateliers oder Werkstätten, Pop-up-Stores und Galerien oder einfach Lagerflächen – die Nutzungsideen sind vielfältig. Entscheidend ist: Der Ort soll leben. Eines ist den Ideengebern schon jetzt wichtig: Die Geschichte des Gebäudes darf nicht vergessen werden. Klingt spannend? Ist es auch!
Die Kreativdenker - Das Stadtteilzentrum Passage 13
Mitten in Neustadt ist die Passage 13 kaum mehr wegzudenken. Hier wird geschraubt, gelernt, diskutiert und gestaltet. In der Reparaturwerkstatt bekommen kaputte Geräte eine zweite Chance, in den digitalen Werkstätten entstehen neue Ideen und auf der Bühne ist Platz für Kultur, Austausch und Begegnung. Das Ziel ist klar: Rentnerinnen und Rentner sollen sich hier genauso einbringen können wie Jugendliche, Kreative oder Nachbarinnen und Nachbarn. Denn alle haben etwas zu sagen – wenn sie die Möglichkeit dafür bekommen. Chancengleichheit wird hier ganz praktisch gelebt.
Teilhabe auf eine andere, sehr berührende Weise zeigt das inklusive Tanztheaterprojekt „PARALLELWELTEN“. In Zusammenarbeit mit dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospiz Halle wird künstlerische Arbeit für Kinder und ihre Geschwister möglich, die sonst oft wenig Raum dafür haben. Und sonst? Musikinstrumente bauen, Schreibworkshops, offene Werkstätten und immer wieder neue Formate, die aus den Ideen der Menschen vor Ort entstehen. Die Liste ist lang – und die Liste der Ideen im Kopf noch länger. Vorbeischauen in der Passage 13 lohnt sich in jedem Fall!
Die Brückenbauer - Ideenwettbewerb für ein digitales Halle-Neustadt
Wie kann man digitale Bildung in Halle-Neustadt vorantreiben? Das fragt der Ideenwettbewerb „Digitale Brückenbauer“. Ab sofort können Projektideen rund um digitale Teilhabe und Bildung im Stadtteil Halle-Neustadt eingereicht werden. Für die beste Idee winken 5.000 Euro. Einsendeschluss ist der 15. Mai 2026.
Weitere Anlaufstellen für das Miteinander in Halle-Neustadt:
- Mehrgenerationenhaus Pusteblume
- Emmaus Gemeinde Halle-Neustadt
- Kulturbühne Neustadt
- Smart City Bildungszentrum
- Bürgerladen e. V.
- GWG-Sch(l)au-Stübchen
- go!Halle Jugendbüro West
Die Wohnmacher - die GWG setzt auf neue Wohnformen und zukunftsgerechtes Wohnen
Die GWG Halle-Neustadt macht sich als zentrale Stadtakteurin und Quartiersentwicklerin in Halle-Neustadt ebenfalls stark. Ob neue Wohnkonzepte für unterschiedliche Lebenswelten, Sanierungen mit dem Fokus auf eine verbesserte Energieeffizienz oder die Digitalisierungsstrategie mit dem Blick auf zukunftsgerechtes Wohnen - lesen Sie hier mehr zu den Aktivitäten der GWG.